No Body Is Perfect-Star Silvana Denker im Interview – Teil 1

“Wir sind unterschiedlich und das ist auch gut so!”

Silvana Denker ist professionelle Fotografin und gilt als eines der bekanntesten Curvy Models im deutschsprachigen Raum. Besondere Bekanntheit erlangte die 35-Jährige in den letzten Jahren durch ihr Body-Positivity-Engagement und ihre BodyLove und Metallic Curves Kampagnen, die weltweit für großes Aufsehen sorgten. Drei Jahre lang tourte sie quer durch Europa, die USA und Kanada, hatte Shootings u. a. direkt vor den Niagarafällen. Von ihr wurde sogar im People Magazine sowie der Cosmopolitan berichtet und auch in Japan, Tunesien und Kanada hörte man bereits von Silvana.

Ihr “Markenzeichen” für “Selbstakzeptanz” und “Diversity” ist eine L-förmige, vierzig Zentimeter lange Narbe auf ihrem BauchIhre Bekanntheit führt sie nun ins Hauptabendprogramm der SAT. 1 Show “No Body Is Perfect”, wo sie in vier Folgen als “nackte Coachin” die Show-Teilnehmer darin trainiert, sich in ihrem Körper wohlzufühlen.

Mit Miracle Woman spricht sie über die Ursprünge ihres Engagements für ein positives Körpergefühl und warum Nacktheit das beste Styling ist.

MW: Liebe Silvana, ab dem 13.01. können wir dich in der TV-Show “No Body Is Perfect – Das Nacktexperiment” erleben. Kannst du uns schon etwas darüber verraten?

Silvana Denker: Die Sendung ist die deutsche Version der UK Show Naked Beach, u. a. mit Felicity Hayward und beruht auf einer Studie, die besagt, dass Menschen, die sich in ihrem Körper nicht wohlfühlen, signifikant ihr Körpergefühl verbessern, wenn sie einen gewissen Zeitraum mit nackten, normalen Körpern verbringen und sich selbst mit ihrem eigenen nackten Körper beschäftigen. In verschiedenen Übungen und Herausforderungen, bei denen die TeilnehmerInnen auch mal über ihre Grenzen gehen, helfen wir ihnen, sich selbst wieder mehr zu akzeptieren, eben auf eine etwas unkonventionelle Art. Und ob es wirklich funktioniert, seht ihr dann in der Sendung.

MW: Auf dem Pressefoto sehen wir vier nackte Personen, die uns den Rücken zugewandt haben und nackt am Strand stehen. Wie viel Mut braucht es nackt zu posieren? Ist Nacktheit das beste Styling?

Silvana Denker in No Body Is Perfect
No Body Is Perfect ©Sat 1

Silvana Denker: Ich war von mir selbst überrascht, wie leicht es mir gefallen ist, nackt zu sein. Auch nachdem die Kameras aus waren, blieben wir ja weiterhin ohne Kleidung und es war irgendwann ganz selbstverständlich, auch die Kameras hat man schnell vergessen. Ehrlich gesagt kann ich jedem nur empfehlen, so oft wie möglich nackt zu sein, ich habe mich noch nie so sexy gefühlt, wie während des Drehs und seitdem 😁
Ich muss aber auch gestehen, dass ich vorab ja auch schon etwas Training hatte, ich stehe oft ja auch selbst für Bodypositive-Kampagnen vor der Kamera, fotografiere mich selbst und stelle die Fotos auch online, außerdem habe ich schon so oft in knapper Unterwäsche auf dem Times Square und anderen stark frequentierten Orten gestanden, danach ist man abgehärtet 😁

MW: Wie war es für dich, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die Zweifel an sich selbst haben? Was ist dein Rat an jeden für uns für mehr Selbstliebe und Akzeptanz?

Silvana Denker: Tatsächlich ist das, was ich in der Sendung mache, im Grunde auch das, was ich jeden Tag bei meiner Arbeit tue. Zu mir kommen hauptsächlich Frauen, die mit ihrem Körper nicht im Reinen sind und die durch ein Shooting bei mir, durch die Gespräche, tatsächlich ein besseres Gefühl zu sich bekommen. Mir wurde schon oft gesagt, ein Fotoshooting bei mir sei wie eine kleine Therapie und für mich ist es immer auch mehr als einfach nur Fotos zu machen. Auch in meinen Kampagnen oder in Mails auf Social Media habe ich viele vor allem Frauen kennengelernt, die sich selbst nicht akzeptieren können oder konnten. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber mir können Menschen sehr schnell vertrauen und ich habe eine sehr sensible Art und kann mich gut in andere hineinversetzen, unter anderem eben auch, weil ich vieles von dem, was die Menschen beschäftigt, aus meiner eigenen Vergangenheit kenne.
Daher ist diese Sendung wie für mich gemacht und war auch wirklich eine der intensivsten und emotionalsten Zeiten meines Lebens.
Ich werde oft nach einem Rat gefragt, natürlich geht das nicht von heute auf morgen, aber wir können in kleinen Schritten anfangen, versuchen, uns nicht ständig mit anderen zu vergleichen, wir alle sind unterschiedlich und das ist doch auch gut so. Was auch eine gute Übung ist: Vor den Spiegel stellen und die Dinge aufzuzählen, die man schön findet. Wir neigen dazu, immer die negativen Stellen zu betrachten und uns abzuwerten, fangt an, euren Wert zu erkennen 😊

MW: Zum Thema “Selbstliebe im Alltag”: Was sind deine Tipps, mit denen wir uns selbst den Alltag erleichtern und uns selbst besser behandeln können?

Silvana Denker: Ein bisschen habe ich das ja schon mit der letzten Frage beantwortet. Allgemein sollten wir alle anfangen, etwas entspannter mit uns selbst umzugehen, die schönen Dinge an uns wiederentdecken und zu erkennen, was für ein Wunder unser Körper eigentlich ist.
Umgebt euch mit Menschen, die euch gut tun, unternehmt Dinge, die euch Spaß machen und nehmt sie euch nicht selbst, aus Angst, was andere denken könnten.

MW: Du selbst wirkst super selbstbewusst. Was hast du an Erfahrungen aus der TV-Sendung für dich selbst mitgenommen?

Silvana Denker: Ich schrieb ja bereits, dass ich mich unglaublich sexy gefühlt habe und das Gefühl auch nicht verschwunden ist 😉 Und obwohl ich bereits vor der Sendung mit mir im Reinen war, hat mich die Sendung in meiner eigenen Entwicklung wieder einen Schritt weiter nach vorn gebracht. Sie hat mir auch noch mal gezeigt, dass das was ich mache, richtig und wichtig ist, sei es nun im TV oder bei meiner täglichen Arbeit.

MW: Warst du schon immer so selbstbewusst?

Silvana auf Instagram
Silvana Denker im Bikini “Surf Neoprene”

Silvana Denker: Früher habe ich meinen Körper gehasst, ich habe mir gewünscht, jemand anderes zu sein. Selbst mit Kleidergröße 38 war ich unglücklich, vielleicht sogar am unglücklichsten. Es ging so weit, dass ich mich sogar selbst verletzt habe, in der Schule wurde ich gemobbt, war immer der Außenseiter und ich habe mich gefragt, was mit mir nicht stimmt, was an mir so schlecht ist, dass mich keiner mag.
Irgendwann habe ich eine Essstörung entwickelt, Binge-Eating, und über die Jahre immer wieder extreme Gewichtsschwankungen gehabt. Von Phasen, in denen ich von einer Fressattacke in die nächste geraten bin, wechselte ich in Phasen, in denen ich kaum noch aß und stundenlang im Fitnessstudio trainiert habe. So habe ich mehrfach zwischen 25kg und 60kg zu- und wieder abgenommen.

MW: Wie kam es dann zur Wende?

Silvana Denker: Erst als ich 2010 bei einem Modelcontest für Curvy Models mehr oder weniger entdeckt und von meiner ersten Agentur unter Vertrag genommen wurde, sollte sich alles und vor allem mein Blick auf Schönheit ändern. Durch die vielen tollen curvy Frauen, die ich nach und nach kennenlernte, habe ich erkannt, dass es nicht Kleidergröße 34 braucht, um schön und vor allem glücklich zu sein. Ich habe dann auch angefangen, mich hinter der Kamera mehr und mehr auf kurvige Frauen und Mode zu spezialisieren und startete irgendwann meine ersten Kampagnen. Vor allem auch BodyLove hat mir selbst unglaublich geholfen und 2016 lief ich selbst, damals mit 125kg in Unterwäsche durch Kopenhagen und es war ein unglaublich befreiendes Gefühl.
Es war ein langer Prozess und der letzte große Knackpunkt war meine Leber-OP vor gut zwei Jahren. Es bestand der Verdacht auf Krebs der sich hinterher zum Glück nicht bestätigt hat. Bei der OP gab es Komplikationen und ich habe viel Blut verloren. Ich habe viel darüber nachgedacht, was wäre, wenn ich nicht mehr aufwache, wie schnell das Leben vorbei sein kann, daher habe ich mir damals vorgenommen, die Zeit, die ich habe so gut wie möglich zu nutzen und nicht mit Selbsthass zu verschwenden.

 

Hier geht’s zum zweiten Teil des Interviews!

“No Body Is Perfect” könnt ihr ab dem 13.1.2020 immer montags um 20:15Uhr auf Sat 1. verfolgen.

 

 

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